SSDs im NAS: Wann lohnt sich der schnelle Massenspeicher?

SSD Festplatten für NAS

SSD Festplatten für NAS - Bild: © Depositphotos.com/scanrail (Oleksiy Mark)

NAS-Systeme sind praktisch, aber ohne ausreichende Kapazitäten macht der Umgang mit großen Mediendaten keinen Spaß. SSD-Festplatten hingegen sind rasend schnell – aber mit großen Speichermengen nur für viel Geld zu bekommen. In diesem kurzen Ratgeber zeigen wir Ihnen, welche SSD-Festplatten für NAS-Systeme geeignet sind und wie Sie Ihr Geld am besten investieren.

SSD-Festplatten: „Lohnt sich das?“

Jeder, der SSDs im eigenen Computer oder Notebook im Einsatz hat, wird diese Frage umgehend bejahen. Es gibt abseits von CPU und Arbeitsspeicher keine Komponente in einem Computer, die einen ähnlichen Geschwindigkeitsschub auslösen wird. Das liegt vor allem an folgenden Eigenschaften:

-Zugriffszeiten

Eine moderne SSD bringt es auf Zugriffszeiten von 0,1 Sekunde. Aktuelle Notebook-Festplatten im 2,5-Zoll-Format beispielsweise benötigen gute 10 Sekunden, abhängig vom Modell kann dieser Wert auch etwas abweichen. Offensichtlich sind um den Faktor 100 verbesserte Zugriffszeiten ein klares Signal für den Kauf einer SSD *.

-Schreib- und Leseraten

Die Technik bei SSDs ist inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem der SATA-III-Port die Datenübertragung limitiert. Aus diesem Grund kommen jetzt verstärkt NVMe-Festplatten auf den Markt, die Transferraten weit jenseits von 1 GB/s bieten. Für NAS-Systeme spielen diese bislang aber noch keine Rolle. „Klassische“ SSDs schaffen aber trotzdem gute 500 MB/s, während eine HDD je nach Modell irgendwo zwischen 100 und 200 MB/s rangiert.

-Lautstärke und Temperatur

In einer SSD befinden sich keine beweglichen Teile. Von klassischen HDDs kennen Sie wahrscheinlich das Geräusch der sich drehenden Speicherplatter, die je Festplatte eine deutlich wahrnehmbare, störende Geräuschkulisse entfachen können. SSDs sind totenstill. Typische Consumer-SSDs verbrauchen außerdem sehr viel weniger Strom und bleiben daher im Betrieb kühl. Die Zeiten der Raptor-Festplatten von Western Digital, die am liebsten nach eigener Kühlung verlangt haben, sind vorbei.

Die genannten Vorteile gelten übrigens für ausnahmslos alle SSDs. Wenn Sie von einer klassischen HDD auf SSD wechseln, werden Sie selbst mit einem absoluten No-Name-Produkt alle genannten Vorzüge genießen.

SSD-Festplatten und ihre Nachteile

Der einzige Grund, warum SSDs in einem NAS nicht ausschließlich eingesetzt werden, ist der Preis: Die günstigste HDDs kostet derzeit (Stand: Ende Oktober 2016) 25,30 Euro pro Terabyte. Im Vergleich kostet die preiswerteste SSD * mit genau 1 Terabyte Kapazität 240,16 Euro. Ungefähr die zehnfache Summe müssten Sie also investieren, um in Ihrem NAS eine ähnliche Speichermenge wie mit klassischen HDDs zu erreichen.

Offensichtlich wäre dies keine sinnvolle Investition. Denn: Die meisten der genannten Vorteile spielen für die meisten Anwender von NAS-Systemen eine weniger große Rolle. Hohe Schreib- und Leseraten sind im Alltag am Computer praktisch, aber oft nicht notwendig, wenn Sie Ihr NAS vor allem als Datenverteiler verwenden. Streamen Sie von dort aus beispielsweise Musik oder greifen Sie auf Serien, Filme und einfache JPG-Bilder zu, wird die Netzwerkgeschwindigkeit sehr viel früher als die Schreib- und Leseraten der limitierende Faktor sein.

Eine niedrige Lautstärke und damit häufig verbunden eine geringe Temperatur können von Vorteil sein, wenn Sie das NAS in einer Umgebung stehen haben, an der Sie sich täglich aufhalten – wie vielleicht am Schreibtisch. Ob das für Sie den hohen Aufpreis wert ist, müssen Sie allerdings selbst entscheiden.

Wann lohnt sich eine SSD im NAS?

Lohnenswert wird es vor allem dann, wenn Sie das NAS für „seriöse“ Arbeit mit sehr großen Dateien oder Dateimengen nutzen möchten. Damit sind keine typischen Office-Anwendungen gemeint: Einen Geschwindigkeitsunterschied werden Sie beispielsweise bei Word- oder Excel-Dateien nicht bemerken. Einen deutlichen Zuwachs der Geschwindigkeit werden Sie jedoch feststellen, wenn Sie beispielsweise Bild- und Videodateien professionell oder zumindest als ambitionierter Amateur bearbeiten.

Ein wichtiger Stichpunkt kann hier das Thema SSD-Cache sein. Ob Ihr NAS SSD-Caching unterstützt, erfahren Sie am einfachsten auf der Seite des Herstellers. Unter Umständen müssen Sie noch einmal wenig RAM nachrüsten, damit die Funktion zur Verfügung steht. Prinzipiell funktioniert ein SSD-Cache ähnlich wie der kleinere, in HDDs enthaltene Cache: Er dient dazu, häufig benötigte Daten in einem kleinen Pufferspeicher schneller zur Verfügung zu stellen. In der Praxis könnte dieses Szenario wie folgt aussehen:

1.Sie besitzen ein NAS und betreiben darin zwei HDDs zu jeweils 4 TB Kapazität. Auf den insgesamt 8 TB Speicherplatz bewahren Sie vor allem große Bilder im RAW-Format auf, die Sie später bearbeiten möchten. Aufgrund der enormen Dateigröße läuft der HDD-interne Puffer jedoch schnell über, Dateizugriffe verlangsamen sich merklich. Ein größerer Cache muss her!

2.Jetzt kaufen Sie beispielsweise eine 128 GB große SSD-Festplatte. Diese gibt es derzeit schon für etwa 40 Euro zu kaufen. Sie schalten das NAS aus, bauen die SSD an einem dafür vorgesehenen Slot ein und starten das System wieder. In der Software des NAS legen Sie anschließend fest, für welche Festplatte(n) die SSD als Cache gedacht ist.

3.Sobald die Einrichtung abgeschlossen ist, werden Sie schon bald einen Geschwindigkeitsanstieg bemerken. Beim ersten Öffnen neuer Dateien – wie einem Foto – legt das System eine Kopie dieser Datei auf die SSD. Auch Änderungen an der Datei speichert das System. Möchten Sie diese Datei jetzt das nächste Mal öffnen, werden Sie eine deutlich schnellere Zugriffsgeschwindigkeit bemerken.

Besonders sinnvoll ist dieses Verfahren, wenn Sie häufig zwischen großen Dateien – wie einem ganzen Ordner voller Fotos – hin und her springen. Die genannten Vorteile gelten natürlich nicht nur für Bilder, sondern auch Musik, Videoinhalte und dergleichen mehr.

Welches Modell ist geeignet?

Nutzen Sie die SSD im NAS „nur“ als Cache, benötigen Sie auch kein teures High-End. Eine durchschnittliche SSD für Endanwender wird bereits ausreichen, damit Sie in den genannten Situationen wesentlich schneller arbeiten können. Auch die Lebensdauer kann eine Rolle spielen, wenngleich die von den Unternehmen angegebenen Größenordnungen von einem Privatanwender praktisch niemals erreicht werden. Mit anderen Worten: Kaufen Sie robuste, günstige SSDs für Ihr NAS.

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Ebenfalls nicht unwichtig könnte der TRIM-Befehl für SSDs sein: Einige NAS-Systeme unterstützen diesen Befehl. Er dient dazu, leere Speicherblöcke schneller wieder zu befüllen. Die Effizienz und Lebensdauer der SSD erhöht sich langfristig. An einem Computer mit Windows 8 oder 10 müssen Sie sich darum nicht kümmern, da TRIM dann automatisch durchgeführt wird. In einem NAS müssen Sie schauen, ob Ihr Modell TRIM unterstützt. Falls nicht: Es handelt sich nicht um eine lebenswichtige Funktion, wegen der Sie Ihr ganzes NAS austauschen sollten. Ist TRIM verfügbar, sollten Sie es aber in jedem Fall einschalten.

** Letzte Aktualisierung am 21.08.2017 um 15:56 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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