NAS Server

NAS Server – Bild: © Depositphotos.com/lucadp (Luca De polo)

NAS-Server: Was ist das und wie hilft er mir?

Der NAS-Server – was ist das überhaupt? In diesem Artikel erfahren Sie, was einen NAS-Server ausmacht, was Sie damit anstellen können und wie er Ihnen im privaten Bereich das digitale Leben deutlich erleichtern kann.

Das Grundprinzip

Im Kern unterscheidet den NAS-Server nicht viel von einem Computer, in dem eine oder mehrere Festplatte(n) untergebracht ist/sind. Dieser Computer ist über eine fast immer kabelgebundene Verbindung mit einem Router oder ähnlichen „Verteilern“ im Netzwerk verbunden. Von dort aus liefert er Daten an alle angebundenen Geräte aus und bekommt diese auch von Computern, Notebooks, Smartphones und dergleichen mehr.

Der NAS-Server besitzt daher auch alternative Namen wie Netzlaufwerk, netzwerkgebundener Speicher und ähnliche Begriffe.

Kernfunktion des NAS-Servers

In den meisten Fällen gerade im privaten Bereich wird der NAS-Server als Datenverteiler genutzt. Er dient als zentrales Speichermedium im Haushalt, von wo aus beispielsweise ein Computer, ein Notebook und mehrere Smartphones mit Daten versorgt werden können. In erster Linie spart dies Speicherplatz und macht das Handling großer Datenmengen einfacher.

Stellen Sie sich dazu vor, Sie hätten eine Musiksammlung mit einem Umfang von 50 GB. Sie möchten Ihre Musik gerne immer und überall hören – also speichern Sie sie auf dem Computer und Notebook und auch auf Ihrem Handy. Die Sammlung belegt damit effektiv 150 GB Speicherplatz. Würden Sie einen NAS-Server nutzen und Ihre Musik einfach immer zu demjenigen Gerät streamen, das Sie gerade verwenden, hätten Sie immer noch Zugriff auf Ihre komplette Sammlung und würden nur die anfangs erwähnten 50 GB Kapazität benötigen.

Ein NAS-Server kann somit auch dabei helfen, Speicherplatz zu sparen, obwohl er eigentlich ein Archiv für große Datenmengen ist. Welche Daten Sie genau auf Ihrem NAS-Server speichern, bleibt Ihnen überlassen. Ebenso wie auf einer Festplatte in Ihrem Computer können Sie darauf alles speichern, was Sie sich wünschen. Nicht alle Daten sind für Streaming geeignet, aber ein Download direkt vom Server ist in jedem Fall möglich. Die Bedienung geschieht übrigens nie direkt am Gerät: Sie verwalten den NAS-Server von einem über das Netzwerk angeschlossenen Gerät – also etwa über ein Notebook – im Browser. Das ist bequem und sorgt gleichzeitig dafür, dass der NAS-Server unabhängig von Ihrem verwendeten Betriebssystem bedienbar ist.

Der „eine“ NAS-Server?

Es gibt längst nicht nur ein einziges, besonders beliebtes Modell unter den NAS-Servern. Vorrangig unterscheiden sich die unterschiedlichen Modelle hinsichtlich der Leistung der Komponenten im Inneren und der Festplatteneinschübe (die auch Bays genannt werden):

  • Leistung

    Beispielsweise existieren NAS-Server, die sich auf die Umwandlung von Mediendaten spezialisieren. Deren CPUs wandeln etwa 4K-Videomaterial automatisch in 1080p-Videos um, damit Sie sie auf Ihrem HD-Fernseher ansehen können. Ebenso gibt es Geräte, die für diese Aufgabe gar nicht geeignet sind, aber dafür mit SSD-Festplatten für besonders schnelle Datenoperationen umgehen oder beeindruckende Geschwindigkeiten bei der Verschlüsselung von Daten erzielen. Definieren Sie vor dem Kauf am besten genau, wofür Sie Ihren NAS-Server primär nutzen möchten.

  • Ausstattung

    Die Anzahl der Festplatteneinschübe variiert stark: Modelle für den Endkunden gibt es bereits mit nur einem einzigen Einschub. In einem NAS-Server für Unternehmen bringen Sie hingegen Dutzende von Bays und damit auch Festplatten unter. Für den privaten Gebrauch sind diese hoffnungslos überdimensioniert. Möchten Sie sich einen NAS-Server für Ihre eigenen vier Wände zulegen, sollten Sie sich im Bereich der Geräte mit einem bis vier Einschüben umschauen.

Dazu gibt es auch an den Schnittstellen zum NAS-Server Unterschiede: Geräte mit mehreren Gigabit-LAN-Anschlüssen gibt es ebenso wie Systeme mit zusätzlichem HDMI-Port für einen direkten Anschluss an einen Fernseher oder Server mit einem SD-Kartenleser. Auch mehr als ein USB 3.0-Port ist inzwischen denkbar. Die Fülle an Ausstattungsvarianten lässt praktisch keine Wünsche offen.

Einbindung des NAS-Servers zu Hause

Üblicherweise sorgt der Kauf eines NAS-Servers für das folgende Schema, wenn es um die Nutzung im privaten Rahmen geht: Der NAS-Server wird via Kabel an einen Router angebunden. An diesen Router schließen Sie bestimmte Geräte per Kabel an. Planen Sie beispielsweise, 1080p-Filme an einen Fernseher zu streamen, sollte die Verbindung dorthin über ein Kabel erfolgen, da WLAN für die Datenmengen in der Regel nicht reicht oder zumindest zu Aussetzern führt.

Alles, was nicht unbedingt ein Kabel benötigt, funkt mit dem Router und damit letztendlich auch dem NAS-Server per WLAN. Beispiele beinhalten Tablets, Smartphones oder Notebooks. Die WLAN-Bandbreite reicht aus, um Dokumente hin und her zu schieben, Musik zu streamen, Videos in einer geringeren Qualität anzuschauen, kleinere Mengen Bilder zu transferieren oder persönliche Daten regelmäßig zu sichern. Bei einer entsprechend guten Signalqualität und durch die Verwendung moderner 802.11ac-Router können Sie auch über WLAN versuchen, anspruchsvollere Aufgaben – wie das genannte 1080p-Streaming – durchzuführen.

Übrigens: Der NAS-Server ist in der Regel entweder 24 Stunden täglich im Betrieb oder zumindest immer dann, wenn Sie mit einem anderen Gerät darauf zugreifen möchten (über Wake on LAN). Stellt Ihre Internetverbindung genügend Upload-Bandbreite bereit, könnten Sie also Serien und ähnliche Inhalte auch aus Ihrer Wohnung in Bremen in Ihr Hotelzimmer mit WLAN nach München streamen – oder generell Daten jeglicher Art abrufen.

Einsatzzwecke eines NAS-Servers

Einfacher wäre es zu fragen, was ein NAS-Server nicht kann. Fragen Sie andere Besitzer über diese Anschaffung, werden Sie häufig zu hören bekommen, dass das System eigentlich aus einem ganz bestimmten Grund angeschafft wurde. Im Laufe der Zeit hat der NAS-Server dann aber immer mehr Aufgaben bekommen. Auch bei Ihnen wird er wahrscheinlich mit der Zeit wachsen und Sie werden immer neue Funktionen entdecken, die Sie bislang auf eine umständlichere Art und Weise genutzt haben.

Wir stellen Ihnen jetzt einige Features der unglaublich vielseitigen NAS-Server vor:

  1. NAS-Server als Backup-Medium

    In Zeiten der 3-TB-Festplatten für weniger als 100 Euro ist ein NAS-Server ein perfekter Kandidat für Backups. In Modellen mit vier Festplatteneinschüben steht Ihnen eine Kapazität von bis zu 40 TB zur Verfügung. Dazu gibt es für jedes aktuelle Betriebssystem Programme, mit denen Sie Backups automatisieren lassen können. Der NAS-Server eignet sich somit sowohl als Archiv für Daten mit einem ideellen Wert – wie vielleicht Fotos – als auch für Dokumente mit einem materiellen Wert. Gerade für kleine Unternehmen sind bereits NAS-Server aus dem Einsteigersegment eine gute Idee, um Daten zu sichern und allen Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen.

  2. NAS-Server als Medien-Archiv

    Musik, Filme, Bilder & Co. verteilen Sie mit einem NAS-Server sowohl an klassische, computerähnliche Geräte als auch DLNA-fähige Mediengeräte wie Fernseher. Im eigenen Netzwerk streamen Sie Bilder an alle angeschlossenen Geräte. Der NAS-Server übernimmt bei Bedarf die Umwandlung der Inhalte in ein Format, welches das Empfangsgerät auch versteht. Sie sichern einen Blu-ray-Film als MKV-Datei und möchten diese auch auf dem iPad ansehen, das nur MP4 als Dateiformat versteht? Der NAS-Server übernimmt die automatische Transkodierung ohne Zeitverlust. Besonders praktisch ist ein NAS-Server dieser Art auch in Familienhaushalten, in denen Sie etwa eine bestimmte Serie für alle Familienmitglieder gleichzeitig zur Verfügung stellen möchten.

  3. NAS-Server als eigene Cloud

    Da der NAS-Server wahrscheinlich an Ihrem Router hängt und dieser mit dem Internet verbunden ist, können Sie auch von unterwegs auf das Gerät und dessen Inhalte zugreifen. Durch passende Programme verwandeln Sie den NAS-Server dann in eine eigene Cloud und müssen sich nicht an die teilweise mangelnde Sicherheit von Google Drive, OneDrive & Co. binden. Praktisch kann das etwa im Urlaub sein: Sie machen Fotos und der Speicher der SD-Karte in der Kamera oder auf dem Handy ist voll? Laden Sie die Bilder einfach aus der Innenstadt von Barcelona auf Ihren NAS-Server hoch.

  4. NAS-Server für professionelle Einsatzzwecke

    Fortgeschrittene Anwender kaufen sich NAS-Server mit eigenem Mail-Server oder greifen über VPN-Verbindungen auch von außerhalb sicher auf das interne Netzwerk des Servers zu. Dazu greifen Sie auf Daten via sicherem FTP-Zugang oder auch dem deutlich komfortableren WebDAV-Standard zu. Vielleicht möchten Sie auch Adressdaten oder Kalendereinträge abgleichen – denn auch dazu können Sie einen NAS-Server verwenden. Im Bereich der Gebäudesicherung kann ein NAS-Server ebenfalls treue Dienste erweisen, indem Sie ihn an eine Überwachungskamera koppeln und die notwendige Software für eine wirkungsvolle Überwachung ebenfalls auf dem Gerät installieren. Ein NAS-System ist weitaus mehr als ein „Spielgerät“ für das Medienstreaming.

Dies sind nur einige der Anwendungszwecke für einen modernen NAS-Server. Sie können mit Sicherheit davon ausgehen, dass Sie Ihr Gerät noch für sehr viele andere Aufgaben verwenden werden.

Erweiterbarkeit und Stromverbrauch

Grundsätzlich sind NAS-Server ab einer Anzahl von zwei Festplatteneinschüben auf Skalierbarkeit ausgerichtet. Alle modernen Geräte unterstützen beispielsweise die diversen RAID-Standards: Koppeln Sie zwei identische Festplatten miteinander und erhöhen Sie etwa die Datensicherheit durch die automatische Spiegelung von RAID 1 oder verdoppeln Sie die Geschwindigkeit der Datenträger durch RAID 0 – die Wahl liegt bei Ihnen. Natürlich können Sie alle Festplatten auch für sich und ohne RAID-Verbund nutzen.

Der Stromverbrauch kann übrigens eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Planen Sie den Betrieb des NAS-Servers permanent, sollten Sie sich daher am besten nach…

a.) … stromsparenden Modellen umsehen. Für den Betrieb zu Hause brauchen Sie kein High-End-Gerät für Unternehmen.
b.) … passenden Festplatten umschauen, die einerseits für den Dauerbetrieb ausgelegt sind und andererseits ebenfalls wenig Strom verbrauchen. Als inoffizieller Standard haben sich Modelle von Western Digital mit dem Red-Label(Affiliate Link) etabliert. Diese verbinden die beiden genannten Eigenschaften bestmöglich.

Der NAS-Server im Eigenbau

Sie müssen sich nicht zwingend einen NAS-Server von QNAP, Western Digital, Synology oder den anderen Größen in dieser Branche kaufen. Fortgeschrittene Anwender, die ein wenig Tüftelarbeit an Computern lieben, können sich einen NAS-Server auch aus gewöhnlichen PC-Komponenten und kostenlosen Betriebssystemen wie FreeNAS und NAS4Free bauen.

Offensichtlich ist das ein deutlich höherer Aufwand als beim Kauf der Einschalten-und-los-Lösungen der genannten Anbieter. Auch werden Sie wesentlich mehr Zeit mit der Konfiguration der Geräte verbringen. Dafür handelt es sich aber um eine sehr preisgünstige Lösung – vielleicht haben Sie noch ältere Computerteile, die Sie für einen NAS-Server zweckentfremden können – und Sie haben die Gestaltung der Software komplett selbst in der Hand. Für Anfänger ist diese Lösung nicht empfehlenswert. Haben Sie Erfahrung im Umgang mit Netzwerktechnik und Computerhardware und -software, kann ein Versuch aber nicht schaden.

* Letzte Aktualisierung am 22.06.2017 um 22:29 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API