UGREEN DXP8800 Plus im Test: Eine Kampfansage an Synology und QNAP

Ugreen DXP8800 Plus Testbericht nach über 2 Monaten

Man kennt UGREEN ja hauptsächlich für gutes Zubehör für Smartphones und Computer. Als sie die ersten NAS Server angekündigt hatten, habe ich denen keine Beachtung geschenkt. Jetzt hatte ich aber die Gelegenheit, den DSXP8800 Plus für einige Wochen zu nutzen, und ich bin sehr positiv überrascht. Ugreen macht hier einiges anders, als die Konkurrenz von Synology und Qnap. Wie gut das funktioniert und auch meine Erfahrungen über die letzten Wochen, teile ich in diesem Testbericht.

Die technischen Daten des DXP8800 Plus klingen beeindruckend. Ein 8-Bay-NAS mit Intel i5-Prozessor, 2 x 10-Gigabit-Ethernet und Thunderbolt 4 für um die 1.100 Euro. So starke Hardware bin ich als Synology Nutzer nicht gewohnt. Schon gar nicht zu dem Preis. Zum Vergleich: Ein Synology DS1823xs+ viel schwächer und kostet ca. 1.800 Euro, die QNAPs TVS-h874-Serie ist etwas leistungsstärker, aber kostet auch mindestens 2.700 Euro.

Gerade wenn man sich anschaut, wie viel Leistung man pro Euro bekommt, ist der DXP8800 Plus ungeschlagen gut. Ugreen ist hier ganz klar der Preis/Leistungssieger.

Die zentrale Frage lautet also: Hat UGREEN etwas weggelassen, um diesen Preis hinzubekommen, oder sind die bekannten NAS-Hersteller einfach zu teuer geworden?

Mein Ugreen DXP8800 Plus Erfahrungsbericht

Die Hardware überzeugt fast durchgehend

Fangen wir mit dem an, was UGREEN eindeutig kann: Hardware bauen. Die Verpackung des DXP8800 Plus ist hochwertig, der Lieferumfang komplett, inklusive Cat 7 Netzwerkkabel mit hochwertigen Steckern und erstaunlich dicken Wärmeleitpads für die M.2-SSDs. Sogar eine gedruckte Anleitung liegt bei, was bei NAS-Herstellern inzwischen leider zur Sel­tenheit geworden ist.

Das Gehäuse selbst besteht komplett aus Metall, was der Wärmeableitung zugutekommt. Besonders clever: Das magnetische Lüftergitter auf der Rückseite lässt sich abnehmen. Bei einem Gerät, das durchgehend läuft, finde ich das so wichtig. Ich habe mich immer gewundert, warum das nicht bei jedem NAS inkludiert ist.

Die beiden 92mm-Lüfter arbeiten angenehm leise. In meinen Tests erreichte das System im Standby etwa 35 dBA, selbst unter Volllast blieb es unter 40 dBA. Das ist bemerkenswert für so ein leistungsstarkes System.

Ich hatte den DXP8800 Plus zum Testen in meinem Wohnzimmer und ca. 2 Meter von mir entfernt stehen. Zu keiner Zeit kam mir das NAS störend laut vor.

Ein weiteres cleveres Detail ist die Abdeckung für den RAM und die M.2 Steckplätze. Man muss nur eine Schraube lösen und dann sorgt eine Feder dafür, dass die Klappe von ganz allein aufspringt. Das ist natürlich kein Kaufargument, aber man sieht hieran die Detailverliebtheit, mit der Ugreen den Server entworfen hat. Solche kleinen Details findet man überall in der Hardware wie auch in der Software. Man merkt einfach, dass sich ein Hersteller wirklich Gedanken gemacht hat, ein gutes Produkt zu entwickeln, und nicht einfach nur zu nehmen, was es schon gibt, und dann die Modellnummer zu ändern.

Was drin steckt:

  • Intel Core i5 (12. Gen) mit 10 Kernen (2P + 8E)
  • Bis zu 64 GB DDR5-RAM (ab Werk 8 GB)
  • 8 x SATA-Anschlüsse
  • 2 x M.2 NVMe Gen 4
  • 2 x 10-Gigabit-Ethernet (Aquantia-Controller)
  • 2 x Thunderbolt 4
  • 1 x PCIe-Erweiterungsslot (x4)

Auf dem Papier eine Kampfansage. Selbst wenn man versuchen würde, ein vergleichbares System in Eigenregie zusammenzubauen, wäre es schwer, unter 1.100 Euro zu bleiben.

Schwachstellen, die ich nicht bestätigen kann

Da ich das Ugreen NAS relativ spät teste, gibt es natürlich schon einige Erfahrungsberichte und Tests. Dabei sind mir immer wieder Kritikpunkte aufgefallen, die ich so überhaupt nicht bestätigen kann.

So bin ich zum Beispiel auf Kritik an den Festplatteneinschüben gestoßen. Einige Nutzer finden sie billig und wenig robust. Auch wenn ich zugeben muss, dass die Einschübe etwas fragil wirken, sind es für mich dennoch die besten, die ich bisher in einem NAS hatte. Das liegt hauptsächlich daran, dass das Einlegen der HDDs extrem einfach und komplett werkzeuglos funktioniert. Synology kann das zwar ebenfalls, aber dort muss ich jedes Mal ordentlich Kraft aufwenden, mir fast den Fingernagel abreißen und habe ständig das Gefühl, etwas zu beschädigen. Beim Ugreen DXP8800 Plus ist das meiner Meinung nach deutlich besser gelöst. Die Halterung lässt sich leicht herausziehen, die Festplatte wird eingelegt und anschließend wird die Halterung einfach wieder eingeschoben. Sie verriegelt automatisch und einfacher kann man eine HDD kaum einsetzen. Für mich ist das ein geniales Design, was ich mir auch von anderen Herstellern wünschen würde.

DXP8800 Plus Festplattenkäfig

Im Vorfeld habe ich auch gelesen, dass wohl einige Nutzer nur Datenübertragungsraten von 600 MB/s haben. Aber auch das konnte ich bei mir nicht bestätigen. Bei mir waren konstante 1 GB/s kein Problem. Das entspricht genau dem, was ich von einem 10 Gbit/s-Netzwerkanschluss erwarte.

UGOS: Das große Fragezeichen

Kommen wir zum Elefanten im Raum: der Software. UGREENs eigenes Betriebssystem „UGOS“ ist noch relativ neu und das merkt man teilweise auch.

Die Benutzeroberfläche sieht aufgeräumt aus und erinnert stark an Synologys DSM, aber unter der Oberfläche fehlen teilweise einige Features oder sind noch etwas umständlich einzurichten. Wenn ich mir anschaue, mit welcher Geschwindigkeit Ugreen sein UGOS im vergangenen Jahr weiterentwickelt hat, dann wird man hier recht bald zu Synology und Qnap aufgeholt haben. Ugreen hat auch eine Roadmap veröffentlicht, wo man öffentlich einsehen kann, an welchen Features gearbeitet wird und was mit den nächsten Updates kommt.

Was mich (und wahrscheinlich die meisten anderen Ugreen Nutzer) aktuell am meisten stört, ist der AppStore. Die wichtigsten Apps sind zwar vorhanden: Jellyfin, Home Assistant, Fotos, Musik, Videos, Office und einige mehr. Allerdings verstehe ich nicht, warum bis heute Plex nicht im App Store zu finden ist. Dafür gibt es dann wieder einige chinesische Apps, die für uns in Deutschland eher weniger interessant sind.

Ganz so schlimm ist das aber auch nicht, da ich die Docker Implementierung etwas besser finde, als bei Synology. So lässt sich dann auch Plex wieder sehr einfach installieren.

Ich muss zugeben, dass ich schon etwas gebraucht habe, um mich an UGOS zu gewöhnen. Dafür komme ich jetzt aber ganz gut zurecht. Einige Dinge fehlen mir noch, aber andere sind wieder besser, als bei der Konkurrenz. Bei der schnellen Weiterentwicklung bin ich sehr gespannt, wo UGOS in ein paar Monaten steht.

Insgesamt gefällt mir UGOS aber schon ganz gut. Nach etwas Eingewöhnung ist die Bedienung wirklich einfach und man bekommt wichtige Dinge auch verständlich erklärt. Gerade für NAS kann ich UGOS wirklich empfehlen. Aber auch erfahrenere NAS Nutzer, die ein System haben wollen, das einfach nur läuft und sich nicht bis ins letzte Detail mit fortgeschrittenen Einstellungen beschäftigen wollen, werden mit UGOS zufrieden sein.

UPDATE nach zwei Monaten: Da sich dieser Test leider etwas verzögert hatte, habe ich das NAS mit UGOS jetzt bereits über zwei Monate im Einsatz. Mittlerweile habe ich mich komplett an die andere Bedienung gewöhnt und finde viele Dinge sehr clever gelöst. In den letzten Monaten hatte ich kein einziges Problem mit der Hardware oder Software.

Alternative Betriebssysteme? Kein Problem!

Was den DXP8800 Plus für mich zum Highlight macht, ist, dass ich problemlos jedes andere NAS Betriebssystem installieren kann. Das wird auch ganz offiziell unterstützt und man verliert keine Garantie. Bei Synology oder Qnap wäre das undenkbar. Gerade wenn ich daran denke, welches Drama es in letzter Zeit seitens Synology um Drittanbieter HDDs gab. Mit einem offenen System, wie dem Ugreen NAS, wäre man in solch einem Fall immer auf der sicheren Seite und könnte notfalls einfach das Betriebssystem wechseln. Die Hardware ist jedenfalls stark genug, dass man sie viele Jahre nutzen kann.

In meinen Tests funktionierte die Installation von TrueNAS Scale, Proxmox und UnRAID ohne nennenswerte Probleme. Man bootet einfach von einem USB-Stick, installiert das gewünschte System auf die interne OS-SSD oder eine der Festplatten – fertig.

Das macht das DXP8800 Plus plötzlich zu einer ganz anderen Kategorie Gerät: einem extrem preiswerten, hervorragend ausgestatteten NAS-Barebone für fortgeschrittene Nutzer.

Die starke Hardware in Verbindung mit der Möglichkeit, andere NAS Betriebssysteme installieren zu können, macht das Ugreen NAS zu meinem aktuellen Favoriten.

Ich hatte eigentlich geplant, noch einen ausführlichen Artikel über UnRaid auf dem DXP8800 Plus zu schreiben. Da mir UGOS aber mittlerweile so gut gefällt und ich auf die zukünftige Entwicklung gespannt bin, werde ich vielleicht lieber bei UGOS bleiben und darüber noch einmal im Detail berichten. Woran wärt ihr mehr interessiert? Ein Artikel über UnRaid auf dem Ugreen NAS oder über UGOS? Schreibt es gerne in die Kommentare.

Interessanter Ansatz für die Ugreen Mobile App

Besonders loben muss ich die mobile Ugreen NAS App, welche für iOS und Android verfügbar ist. Ich habe anfangs erst noch die Apps für Fotos, Musik, usw. gesucht, bis ich dann gemerkt habe, dass Ugreen alles in eine App gepackt hat. Ich war erst sehr skeptisch, ob mir das so gefällt. Nach ein paar Wochen intensiver Nutzung ist es für mich definitiv die beste mobile App für ein NAS.

Klar, auch hier fehlen vereinzelt noch ein paar Kleinigkeiten. Zum Beispiel kann ich nicht festlegen, welche Musik ich gerne lokal speichern würde. Die Funktion soll aber laut Roadmap demnächst noch kommen. Insgesamt ist die App für mich nützlicher, als alle anderen mobilen Apps der Konkurrenz.

Ich will hier auch noch auf die Synchronisierung der Fotos eingehen. Die letzten Jahre habe ich die Apps von anderen NAS Herstellern und auch Imich ausprobiert. Überall gab es kleinere oder auch teilweise größere Probleme. Die Ugreen Fotos App (die in der mobilen NAS App integriert ist) war für mich die erste Fotos App, die wirklich alle Fotos und Videos zuverlässig im Hintergrund synchronisiert und sortiert hat. Das hat mich sehr beeindruckt.

Etwas anders sieht es mit der App für Apple TV aus. Auch die ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Nach kurzer Eingewöhnung finde ich die Theater App (für Filme und Serien) aber sehr gelungen. Alles ist sehr schnell und es macht Spaß, die App zu nutzen. Allerdings fehlt der Zugriff auf Musik hier komplett.

Mein Fazit zu den Ugreen Apps ist, dass alles, was bereits integriert ist, sehr zuverlässig und auf hohem Niveau funktioniert. Wenn nun nach und nach die Funktionen ergänzt werden, die aktuell noch fehlen, entsteht mit den iOS-, Android- und Apple-TV-Apps ein sehr rundes und überzeugendes Ökosystem.

Für wen lohnt sich das DXP8800 Plus?

Wem würde ich den Ugreen DXP8800 Plus jetzt nach meinem vierwöchigen Test empfehlen?

Kaufen, wenn du:

  • einen leistungsstarken NAS Server mit aktueller Hardware suchst
  • dir ein gutes Preis-Leistungsverhältnis wichtig ist
  • einen leicht zu bedienenden NAS Server willst
  • ein anderes Betriebssystem auf deinem Server installieren willst
  • dir Erweiterbarkeit deines Servers wichtig ist

Mein persönliches Urteil

Ugreen hat mit seinen NAS Servern definitiv den Markt ganz schön aufgemischt. Endlich bekommt man aktuelle Hardware zu einem guten Preis. Die Verarbeitung ist tadellos und an vielen Stellen besser, als ich es von den „alten“ NAS-Herstellern gewohnt war. Die Software ist jetzt schon recht gut und wird in nächster Zeit wahrscheinlich nur noch besser.

Meiner Meinung nach haben sich Synology und Qnap die letzten Jahre auf ihrem Erfolg ausgeruht und keine wirkliche Innovation mehr gezeigt. Genau hier kommt Ugreen und zeigt, wie ein NAS Server heutzutage sein sollte.

Der DXP8800 Plus hat mich sehr beeindruckt und ist für mich aktuell die beste Empfehlung für jeden, der einen leistungsstarken NAS Server sucht, der einfach zu bedienen, aber trotzdem flexibel ist. Anfänger finden sich in UGOS sehr schnell zurecht und Profis können das NAS-Betriebssystem ihrer Wahl installieren. Aktuell bekommt man in dieser Preisklasse weder in Bezug auf Leistung noch auf Qualität ein besseres NAS.


Technische Daten im Überblick:

  • Prozessor: Intel Core i5-12450H (10 Kerne, bis 4,4 GHz)
  • RAM: 8 GB DDR5 (erweiterbar auf 64 GB)
  • Speicher: 8x 3,5“ SATA, 2x M.2 NVMe 2280
  • Netzwerk: 2x 10GBASE-T, PCIe-Slot für Erweiterungen
  • Schnittstellen: 2x Thunderbolt 4, 3x USB-A, HDMI 2.0, SD-Kartenleser
  • Abmessungen: 230 x 223 x 173 mm
  • Gewicht: ca. 4 kg (ohne Laufwerke)

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